Episode 03 — Die offene Tür, Teil 1
Shownotes
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333 ist ein Podcast über paranormale Erlebnisse — erzählt von den Menschen, denen sie passiert sind. Neue Folgen alle zwei Wochen, überall wo es Podcasts gibt.
Host und Produktion: Florian Kowatz. Eine Produktion von KR8 bureau, Wien.
Transkript anzeigen
Florian: Willkommen bei 333, ich bin Florian Kowatz.
Florian: Die heutige Geschichte wird uns von Jessy erzählt.
Florian: Jessy habe ich vor einigen Jahren über einen gemeinsamen Freund kennengelernt, und ziemlich früh hat sie mir eine Geschichte erzählt, die bei mir hängen geblieben ist.
Florian: Das ist jetzt ungefähr vier Jahre her, und ich glaube tatsächlich, dass diese Geschichte einer der Gründe war,
Florian: warum ich irgendwann angefangen habe, ernsthaft über diesen Podcast nachzudenken.
Florian: Was mich daran bis heute beschäftigt, ist gar nicht nur die Frage, was damals genau passiert ist.
Florian: Mich interessiert fast noch mehr, was solche Erlebnisse mit Menschen machen, wenn sie sie über Jahre oder manchmal sogar Jahrzehnte mit sich herumtragen.
Florian: Denn unabhängig davon, wie man sie am Ende erklärt, sind die Folgen für die Person, die sie erlebt, oft sehr real.
Florian: Und gleichzeitig begegnen wir Menschen mit solchen Erfahrungen erstaunlich oft mit ziemlich wenig Respekt.
Florian: Sie werden belächelt, vorschnell eingeordnet oder bekommen Antworten, die ihnen in der Situation eigentlich überhaupt nicht helfen.
Florian: Ich glaube, genau deshalb lohnt es sich, über solche Erfahrungen genauer zu sprechen — und auch darüber, was wir inzwischen tatsächlich über bestimmte Phänomene wissen.
Florian: Interessanterweise zeichnet sich bei 333 nach den ersten Folgen schon ein kleines Thema ab, mit dem ich so gar nicht gerechnet hätte.
Florian: Schlaf.
Florian: Der Zustand zwischen Wachsein und Schlafen, Schlafparalyse, Träume und die Frage, warum Menschen gerade dort Dinge erleben, die sich für sie vollkommen real anfühlen.
Florian: Jessy ist ungefähr sechzehn, als sie mit einer Freundin anfängt, sich für okkulte Bücher, Rituale und ein Ouija-Brett zu interessieren.
Florian: Was erst einmal ziemlich nach Teenager-Neugier klingt, entwickelt sich allerdings in eine Richtung, die sie noch über zwanzig Jahre später beschäftigen wird
Florian: und sie in Teilen bis heute beeinträchtigt.
Florian: Und irgendwann kommt ihr eine Freundin zu Hilfe — auf eine Art, mit der weder Jessy noch sie selbst gerechnet hätte.
Florian: Die Geschichte ist etwas länger, deshalb erzählen wir sie in zwei Teilen.
Florian: Ihr hört 333, Episode III.
Florian: Das ist der erste Teil von "Die offene Tür".
Jessy: Hallo, ich bin in Wien aufgewachsen.
Jessy: Ich habe bis zu meinem elften Lebensjahr im zehnten Bezirk gewohnt.
Jessy: Meine Mama hat danach ihren Lebensgefährten kennengelernt, und wir sind dann nach Wiener Neustadt gezogen.
Jessy: Zu Anfang war ich dort ziemlich einsam, weil ich keinen Anschluss finden konnte.
Jessy: Ich habe mich natürlich, wie viele Kinder, aus meiner Umgebung gerissen gefühlt und war dann auf einmal in einer sehr kleinen Stadt, was für mich gleichzusetzen war mit Dorf. Und es war halt irgendwie schwierig, sich dort anzupassen, Leute kennenzulernen.
Jessy: Also Wiener Neustadt ist natürlich deutlich kleiner als Wien.
Jessy: Zur damaligen Zeit hatte das ungefähr vierzigtausend Einwohner.
Jessy: Es gab wenig Freizeitangebot — beziehungsweise, dadurch, dass ich niemanden gekannt habe, wusste ich auch gar nicht, wie ich zu einem gewissen Freizeitangebot komme.
Jessy: Bei uns gab es im Endeffekt nur ein Kino und ein Einkaufszentrum, wo viele Jugendliche abgehangen sind, wenn sie mal Freizeit hatten.
Jessy: Meine erste Zeit in Wiener Neustadt habe ich damit verbracht, Anschluss im Park zu finden, bei anderen Kindern und Jugendlichen.
Jessy: Zur damaligen Zeit waren Pokémon ganz groß. Ich habe angefangen, Pokémon-Karten zu sammeln und Pokémon-Figuren, um Freunde zu finden.
Jessy: Das hat so semi-gut funktioniert.
Jessy: Mit Wiener Neustadt warm geworden bin ich so richtig erst als älterer Teenager.
Jessy: Und wobei ich sagen muss: dass ich so richtig warm geworden bin — eigentlich gar nicht.
Jessy: Das war eher so lauwarm.
Jessy: Die Leute waren doch ein bisschen anders als in Wien, weniger offen, finde ich.
Jessy: Man hat dann eine große Differenz gespürt zwischen Wien und Wiener Neustadt.
Jessy: Meine Schulzeit war anfangs sehr problematisch, muss ich sagen.
Jessy: In Wien bin ich ein halbes Jahr ins Gymnasium gegangen, bin dann nach Wiener Neustadt gezogen und habe hier ein halbes Jahr auf einem Gymnasium verbracht, in der Nähe des Hauses, wo ich gewohnt habe.
Jessy: Und danach habe ich beschlossen, dass ich nicht mehr lernen möchte, und bin somit in eine Hauptschule gegangen, weil ich einfach alles boykottiert habe, was auch meine Eltern beziehungsweise meine Mama gemacht haben.
Jessy: Da war ich auch relativ unglücklich und bin dann im Endeffekt nach ein, zwei Jahren wieder zurück auf ein Gymnasium gewechselt, weil ich in der Hauptschule extrem gemobbt wurde.
Jessy: Und dort habe ich meine ersten richtigen Freundschaften geschlossen, kann man sagen.
Jessy: Ich hatte zum Beispiel eine Freundin namens Melanie.
Jessy: Das ist meine prägnanteste Erinnerung.
Jessy: Eigentlich alle anderen Freundschaften waren meist sehr oberflächlich und gingen nicht so in die Tiefe, aber mit Melanie habe ich mich besonders gut verstanden.
Jessy: Sie war ähnlich wie ich vom Styling her.
Jessy: Sie mochte sehr viel Schwarz.
Jessy: Man hat schon gesehen, dass sie ein bisschen einen Hang zum Okkulten hatte, wie ich.
Jessy: Generell war sie sehr offen und freundlich, und ich fand sie auch extrem hübsch und wollte immer so sein wie sie.
Jessy: Und unsere Freizeit haben wir meistens damit zugebracht, dass wir ins Kino gegangen sind und uns Filme angeschaut haben.
Jessy: Naja, also so wie viele Teenager zur damaligen Zeit. Also ich glaube, viele Mädchen haben sehr viel Buffy und Charmed geschaut.
Jessy: Das haben wir beide auch gemacht. Und sie hatte auch schon am Anfang, als ich sie kennengelernt habe, sehr viele Bücher zu Hause, eben über Buffy – Im Bann der Dämonen und auch Charmed.
Jessy: Und die Satanische Bibel — was ja sehr lustig ist. Also damals fand ich es richtig aufregend und ein bisschen creepy.
Jessy: Darin haben wir halt auch herumgeblättert.
Jessy: Also das war jetzt nicht so, dass wir jeden Tag daraus gelesen hätten, aber wir hatten unsere Rituale, wo wir das Zimmerfenster verdunkelt und Seiten davon gelesen haben.
Jessy: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr, was da genau drin gestanden ist.
Jessy: Für uns allein, dass das die Satanische Bibel war, war schon gruselig genug.
Jessy: Also ich war zur damaligen Zeit ungefähr fünfzehn, sechzehn, und das ist halt schon eine Zeit her.
Jessy: Ja, also es war sehr gruselig, weil es halt eben um Satan ging.
Jessy: Aber ich glaube, inhaltlich war es gar nicht so schlimm, kann ich mich erinnern.
Jessy: Es war eher unsere Fantasie, die das einfach ein bisschen gruseliger gemacht hat.
Jessy: Weil allein schon zur damaligen Zeit war es irgendwie — dass man sich mit Satan befasst hat — schon fast kriminell, kann man sagen.
Jessy: Wir haben auch aus anderen Büchern gelesen und uns damit befasst.
Jessy: Bei mir sind die Erinnerungen an die damalige Zeit leider schon ein bisschen verschwommen, weil es eben schon so lange her ist.
Jessy: Ich kann mich halt immer wieder nur an so Fragmente erinnern, wo wir uns einfach extrem gegruselt haben.
Jessy: Aber das waren auch nicht nur diese Bücher. Sie hat sehr viele verschiedene Bücher gehabt, die ich davor gar nicht gekannt habe. Und es war einfach sehr spannend, sie allein schon zu besitzen, bei sich zu haben.
Jessy: Wir waren auch in der Schule so ein bisschen die zwei Außenseiterinnen, die komische Sachen gemacht haben.
Florian: Weißt du noch etwas, was ihr da für Rituale praktiziert habt?
Jessy: Wir haben Tischerücken praktiziert.
Jessy: Sie hatte auch damals ein Ouija-Brett.
Jessy: Ich habe aber vergessen, woher sie das eigentlich bekommen hat.
Florian: Ist das nicht das Gleiche — Tischerücken und Ouija?
Jessy: Naja, ich glaube. Also es gab auch so etwas mit Gläsern, Gläserrücken.
Jessy: Es hat mehrere verschiedene Praktiken gegeben.
Jessy: Wir hatten damals auch unsere Crushes in der Schule, und wir wollten natürlich, dass unser Crush sich genauso verliebt wie wir, und haben verschiedene Sprüche gesprochen, Kerzen angezündet, ausgeblasen.
Jessy: Wir haben uns schon wirklich wie echte Hexen gefühlt dadurch, dass wir davor unsere Zaubertränke zusammengebraut haben, um die Jungs verliebt zu machen — die leider nicht funktioniert haben.
Jessy: Aber wir hatten halt die Hoffnung, dass es vielleicht mit Verzögerung dann eintritt.
Jessy: Wir wollten somit die Liebe auf unsere Seite ziehen.
Jessy: Das hat leider nur sehr mittelmäßig funktioniert. Leider.
Florian: Also ihr wart legit Hexen?
Jessy: Ja, wir waren Hexen.
Jessy: Es gab zur damaligen Zeit nicht so etwas, wo man jetzt easy-cheesy alles bestellen konnte, sondern man musste halt damit vorliebnehmen, was man im Wald gefunden hat beziehungsweise was vielleicht die Mama im Gewürzschrank gehabt hat.
Florian: Wie viele Jungs habt ihr vergiftet?
Jessy: So um die zwanzig. Aber sie werden wohl nicht mehr gefunden werden.
Jessy: Sie sind verschwunden.
Florian: Ich wollte gerade fragen: Wer davon lebt jetzt noch?
Jessy: Das weiß ich nicht genau.
Florian: Ihr habt eure Spuren gut verwischt.
Jessy: Ja. Als ich so ungefähr sechzehn Jahre alt war, lag ich damals noch in meinem Kinderzimmer und habe geschlafen.
Jessy: Und mitten in der Nacht bin ich auf einmal wach geworden und habe gesehen — also ich habe eigentlich immer mit geschlossenem Fenster geschlafen beziehungsweise mit gekipptem Fenster.
Jessy: Und ich bin in der Nacht aufgewacht, und mein Fenster war sperrangelweit offen, es hat richtig stark reingestürmt.
Jessy: Man hat draußen Donnern gehört und Blitze gesehen, und ich war total erschrocken und bin rübergelaufen zu meiner Mama ins Schlafzimmer. Und eigentlich hatte ich immer angeklopft, weil ich natürlich auch keine wilden Überraschungen vorfinden wollte im Schlafzimmer meiner Mutter und meines Stiefvaters.
Jessy: In dem Moment war ich so erschrocken, dass ich einfach schreiend reingelaufen bin und gesagt habe, dass mein Fenster sperrangelweit offen ist und was da los ist.
Jessy: Und meine Mama hat mich dann zurückbegleitet in mein Zimmer — und mein Fenster war aber geschlossen.
Florian: Hey, aber darf ich kurz fragen: Warum war dein erster Impuls nicht, einfach nur das Fenster zuzumachen und wieder schlafen zu gehen?
Jessy: Ich hatte nicht diesen ersten Impuls, das Fenster zu schließen, da ich einfach so erschrocken war. Weil es einfach so eine unübliche Situation war, dass das Fenster so sperrangelweit offen war.
Jessy: Und es hat so richtig gestürmt, es war so laut und so windig. Und der erste Impuls war irgendwie, zu meiner Mutter zu rennen und mir Hilfe zu holen beziehungsweise mich zu verstecken.
Jessy: Meine Mama ist dann mit mir ins Schlafzimmer zurückgegangen und hat halt gesehen, dass das Fenster geschlossen war.
Jessy: Und ich auch.
Jessy: In dem Moment hat sie mir versucht zu erklären, dass ich vermutlich einen Albtraum hatte.
Jessy: Nein, es war für mich absolut nicht wie ein Albtraum.
Jessy: Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass das passiert sein muss. Weil noch als ich aus dem Schlafzimmer lief, hatte ich mich nochmal umgedreht und habe gesehen, dass das Fenster noch immer sperrangelweit offen war.
Jessy: Wenn das ein Traum war, dann war das ein sehr, sehr realistischer Traum. Und ich konnte da nicht mehr einschlafen. Ich kann mich erinnern — halb fünf in der Früh, vier, halb fünf.
Jessy: Es war schon späterer Herbst, und ich bin dann noch wachgeblieben, weil ich wusste, dass ich irgendwie so um halb sieben aufstehen musste, um mich für die Schule vorzubereiten. Und als ich in der Früh aufgestanden bin, war meine Mama schon am Telefon, und als sie aufgelegt hat, hat sie mir dann erklärt, dass meine Urgroßtante verstorben sei. Und das dürfte genau zu diesem Zeitpunkt passiert sein, als mein Fenster so sperrangelweit offen stand und es reingestürmt hat.
Jessy: Was für mich auch so ein Indiz dafür war, dass das passiert sein musste: Als ich dann später im Schlafzimmer wieder gelegen bin, also ein paar Minuten später quasi, hat es draußen gar keinen Sturm gegeben.
Jessy: Es war einfach nur Ruhe. Es hat kein Donnern gegeben, es hat keine Blitze gegeben, es war nicht stürmisch. Es war komplett ruhig draußen.
Florian: Und siehst du dann eine Verbindung zum Tod deiner Tante, oder wie hängt das zusammen?
Jessy: Also für mich war sofort klar, dass es eine Verbindung zu dem Tod gibt.
Jessy: Mich hat das nur gewundert — also ich habe geglaubt, dass sich meine Urgroßtante von mir so verabschiedet hat.
Jessy: Ich habe auch viel darüber nachgedacht, warum auf diese Art und Weise, weil sie mir ja eigentlich damit Angst gemacht hat und mich eigentlich sehr gern hatte.
Jessy: Für mich wurde es mit der Zeit irgendwie klar, dass das deswegen war, weil sie so eine stürmische Person war.
Jessy: Sie war sehr laut und sehr lustig, und ich glaube, sie ist von dieser Welt gegangen wie ihre Persönlichkeit war: laut und stürmisch.
Jessy: Ich habe das dann Melanie erzählt, was passiert ist. Und Melanie kam auf die Idee, ein Ouija-Brett zu holen und dass wir ihren Geist beschwören.
Jessy: Am Anfang, muss ich sagen, hatte ich ein bisschen Angst, weil ich schon von so vielen Leuten gehört habe, dass da schlimme Sachen passieren können, dass man das nicht machen soll.
Jessy: Weil man nicht weiß, wen man da einlädt in seinen Zirkel.
Jessy: Ich war schon ein bisschen verängstigt am Anfang, aber Melanie hat mich da ein bisschen mit ihrem Charme um den Finger gewickelt und gesagt: "Hey Jessy, vergiss es, du brauchst keine Angst haben.
Jessy: Ich bin bei dir, und wir haben das schon geübt, und wir wissen das.
Jessy: Wir haben viel darüber gelesen.
Jessy: Wir werden das schon hinbekommen.
Jessy: Komm, lass uns Geister beschwören!"
Jessy: Und dafür haben wir uns einen besonderen Termin ausgesucht, und zwar war das Krampustag. Ich glaube, es ist der fünfte Dezember, wenn ich mich nicht irre.
Jessy: Also Melanie hat in einem Haus gewohnt, in Pitten.
Jessy: Das ist in Niederösterreich, so ungefähr zwanzig Autominuten von Wiener Neustadt entfernt.
Jessy: Wir hatten das Haus für uns, weil ihre Mutter auf Skiurlaub gefahren ist und auch ihre kleine Schwester dabeihatte.
Jessy: Und Melanie ist allein geblieben, und sie hatte mich sogar gebeten, dass ich bei Melanie übernachte diese drei, vier Tage, weil sie nicht wollte, dass Melanie allein im Haus ist.
Jessy: Pitten ist ein Dorf.
Jessy: Also es ist jetzt nicht eines der kleineren Dörfer, aber es ist doch ein Dorf, und sie wohnt so am Rand des Dorfes.
Jessy: Ich kann mich erinnern: Wenn man aus ihrem Fenster rausgesehen hat, hat man Richtung Wald geschaut.
Jessy: Also dazwischen war noch ein Weg, und dann war eigentlich schon wieder Wald.
Jessy: Wir haben das Brett in der Mitte des Raumes auf den Boden gestellt und haben uns zu dem Brett gesetzt. Und um uns herum eben diese Kerzen aufgestellt.
Jessy: Wir haben das Licht abgedreht, also es war quasi nur noch Kerzenschein, und wir haben kurz innegehalten, kann ich mich erinnern.
Jessy: Wir haben kurz nicht gesprochen, uns nicht angesehen.
Jessy: Dieses Brett war aus Holz, und auf diesem Brett war ein Nein und ein Ja eingraviert. Alle Buchstaben des Alphabets, und darunter, wenn ich mich nicht irre, waren auch noch die Zahlen von null bis neun.
Jessy: Und wir hatten dazu ein Glas, das wir in der Mitte des Brettes aufgestellt haben.
Florian: Was haben die Kerzen eigentlich für eine Funktion im Ganzen?
Jessy: Die Kerzen waren dazu da, um den Raum, glaube ich, ein bisschen zu erleuchten.
Jessy: Warum genau Kerzen, kann ich echt nicht mehr sagen.
Jessy: Ich müsste das nochmal nachlesen.
Jessy: Es hat einfach eine schöne Atmosphäre gemacht, ja, auf jeden Fall.
Jessy: Wir haben dann quasi angefangen, unseren ersten Spruch aufzusagen — ich weiß gar nicht mehr, worum es da genau ging, aber das war irgendwie so quasi eine Einleitung, die wir aus einem dieser Bücher hatten. Und wir haben halt gewusst:
Jessy: Also werden wir diesen Spruch aufsagen.
Jessy: Wir müssen das absolut ernst nehmen.
Jessy: Wir dürfen uns nicht lustig machen, wir müssen die Geister begrüßen und uns auch richtig verabschieden.
Jessy: Und dann haben wir eigentlich auch schon gestartet.
Jessy: Und nach kurzer Zeit war es so, dass ich irgendwie eine Präsenz gespürt habe in diesem Raum, und habe auch mit Melanie darüber gesprochen. Und sie hat gemeint, sie spürt das auch.
Florian: Habt ihr da jemand Bestimmten gerufen, oder einfach so random losgelegt?
Jessy: Wir haben einfach random losgelegt und hatten nicht wirklich viel Plan, was wir machen sollten.
Jessy: Wir haben nur quasi so Eckdaten gewusst: begrüßen und verabschieden.
Jessy: Dann diesen einen Spruch aufsagen. Also meine Hoffnung war, dass wir meine Urgroßtante irgendwie an den Hörer bekommen, damit ich sie nochmal fragen kann, ob sie mich erschrecken wollte oder was da der Hintergedanke war. Weil ich war davon hundertprozentig überzeugt, dass sie das war.
Jessy: Ich bin heute noch immer hundertprozentig davon überzeugt. Weil ich glaube einfach nicht, dass es solche Zufälle gibt, dass man so etwas sieht beziehungsweise erlebt und genau zu dieser Stunde stirbt diese Person.
Jessy: Dass das keinen Zusammenhang hat, das glaube ich einfach nicht.
Jessy: Also wir haben dieses Glas auf das Ouija-Brett gestellt und wollten loslegen quasi.
Jessy: Und dieses Glas, auf dem wir beide unseren Zeigefinger hatten — ich glaube, Zeige- und Mittelfinger war es — bewegte sich auf einmal.
Jessy: Und wir haben beide irgendwie unsere Hände weggerissen von diesem Glas.
Jessy: Und dann ist ein kleiner Streit entfacht, weil ich Melanie vorgehalten habe, dass sie das Glas bewegt hat, um mich zu erschrecken.
Jessy: Und Melanie hat genau dasselbe geglaubt: Sie hat geglaubt, dass ich das Glas bewegt habe, um sie zu erschrecken.
Jessy: Also ich habe kurz geglaubt, dass sie es tatsächlich war.
Jessy: Ich hatte Respekt und auch ein bisschen Angst vor diesem Ouija-Brett, aber gleichzeitig habe ich mir die ganze Zeit eingeredet, dass das ja gar nicht sein kann.
Jessy: So etwas funktioniert nicht.
Jessy: Das ist alles nur Einbildung.
Jessy: Melanie hat geschworen, dass sie das nicht bewegt hat. Aber sie hat geglaubt, dass ich es bewegt habe und einfach nur eine gute Schauspielerin bin. Ich habe ihr die ganze Zeit vorgehalten, dass sie mich reinlegen möchte, und umgekehrt.
Jessy: Und irgendwann während des Streits hat Melanie angefangen zu schreien. Und nach einem halben Herzinfarkt habe ich sie dann gefragt, was das Problem sei.
Jessy: Und sie hat gesagt, dass sie beim Fenster rausgesehen hat und einen Mann ohne Gesicht gesehen hat, der in der Ecke vom Balkon am Sessel gesessen ist.
Jessy: Ich habe den Mann nicht gesehen. Ich habe dann nochmal rausgesehen, und ich habe mir kurz eingebildet, dass ich einen Schatten gesehen habe.
Jessy: Aber ich hatte so einen Adrenalinschub, dass ich mir auch nicht sicher war, ob ich mir das nicht einfach eingebildet habe.
Jessy: Und Melanie hat aber geschrien. Also sie dürfte ihn noch immer gesehen haben, während ich rausgesehen habe.
Jessy: Und sie hat gesagt, er sitzt im Eck auf einem Stuhl, und dort, wo sein Gesicht sein sollte — das war in die Richtung zu uns, also er würde uns beobachten, nur hatte er halt eben kein Gesicht gehabt.
Jessy: Am Balkon war es schon relativ dunkel. Man hat von Weitem noch ein bisschen das Licht gehabt von der Straßenbeleuchtung. Ich weiß nicht, das war ja schon um, glaube ich, fünf, sechs Uhr nachmittags.
Jessy: Also wenn dort jemand gesessen wäre, dann hätte man ihn definitiv noch gesehen.
Jessy: Und ich habe halt geglaubt, dass Melanie das schon die ganze Zeit geplant hatte und mich einfach reinlegen wollte.
Jessy: Somit haben wir dann das Ganze abgebrochen. Also wir haben dann im Endeffekt vergessen, uns zu verabschieden. Und Melanie hat mich gefragt, ob ich mit ihr noch zum Krampusumzug gehen möchte.
Jessy: Weil der an dem Abend eben in Pitten war.
Jessy: Dann ist Melanie sofort aufgestanden und hat ihre Jacke geschnappt und ist die Stufen runtergelaufen, um sich die Schuhe anzuziehen.
Jessy: Ich war halt die letzte Person im Raum und habe die Kerzen ausgeblasen und bin ihr hinterher, so schnell wie möglich, weil ich ein bisschen Angst hatte.
Jessy: Also diese Geschichte mit diesem Mann, der am Balkon sitzt — auch wenn ich nicht wirklich so ganz daran geglaubt habe, aber so ein letztes Fünkchen war schon da, und ich habe mir gedacht: Hey!
Jessy: Wenn das tatsächlich so ist, dann möchte ich den Raum schnell verlassen, weil wir kennen alle Horrorfilme, und ich wollte nicht von diesem Mann erwischt werden, quasi.
Jessy: Ich habe die Kerzen ausgeblasen, habe meine Jacke geschnappt und bin ihr hinterher.
Jessy: Und habe auch hinter mir die Tür zugemacht.
Jessy: Gefühlt war zwischen dieser Sichtung von diesem Typen auf dem Balkon und bis wir das Haus verlassen haben — gefühlt war das eine halbe Minute, aber es war deutlich länger, weil wir erst diskutiert haben. Dann ist Melanie aufgesprungen, hat ihre Tasche zusammengepackt, ist quasi mit ihrer Jacke und mit ihrer Tasche rausgestürmt, dann bin ich die Stufen runter.
Jessy: Und natürlich haben wir gewusst: Wir beide waren die einzigen zwei Personen im Haus, und Melanie ist dann auch nicht mehr raufgegangen.
Jessy: Wir sind dann zu diesem Krampusumzug. Der hat, keine Ahnung, wie lange gedauert. Ich schätze mal, das hat so zwei Stunden gedauert, ungefähr.
Florian: Habt ihr euch während des Umzugs über diese ganze Sache unterhalten, oder habt ihr gestritten? Wie war denn die Situation danach für euch?
Jessy: Also ich kann mich erinnern: Während wir uns die Schuhe angezogen haben, haben wir eigentlich gar nicht mehr darüber gesprochen.
Jessy: Wir waren beide sehr angespannt, und ich glaube, wir haben einfach beide darüber nicht geredet, weil wir verängstigt waren.
Jessy: Und zumindest bei mir war es so: Ich wollte nicht darüber reden, weil ich es nicht so ganz wahrhaben wollte.
Jessy: Das ist ein bisschen meine Taktik: Wenn man nicht darüber redet, dann passiert das nicht.
Florian: Beste Taktik.
Jessy: Jeder, der mal in Niederösterreich bei einem Krampusumzug war, der weiß, dass es da recht brutal zugeht.
Jessy: Dass diese Typen, die in diesen Kostümen drinstecken, irgendwie ein Hauptziel haben, und das ist, die Leute natürlich zu erschrecken, aber ihnen auch wehzutun. Und sie mit ihren Ketten, die sie da mithaben, und ihren Ästen und so weiter die Leute zu schlagen.
Jessy: Das machen sie tatsächlich.
Jessy: Und ja, wir waren halt zwei Stunden dort, kann ich mich erinnern, ungefähr.
Jessy: Wir haben getrunken, weil wir haben es natürlich ausgenutzt, dass wir halt allein sind und dass wir ein bisschen auf den Putz hauen können und Alkohol trinken — weil wir waren ja noch relativ jung, und das durften wir eigentlich noch nicht. Und, keine Ahnung, ich habe Punsch getrunken, und wir haben unseren Spaß gehabt und sind vor diesen Typen davongelaufen in diesen Krampuskostümen.
Jessy: Und irgendwann war uns dann auch schon wieder zu kalt, und wir wollten zurückgehen.
Florian: Sag mal, eine Frage noch zwischendrin: Kann es nicht sein, dass Melanie vielleicht einfach einen von diesen Krampustypen draußen gesehen hat?
Jessy: Melanie konnte auf keinen Fall einen Krampustypen auf ihrem Balkon gesehen haben, weil: Wie soll der Typ auf ihren Balkon gekommen sein?
Jessy: Also der Balkon war im ersten Stock, und es gab keine Außentreppe zu diesem Balkon.
Jessy: Es konnte niemand auf diesen Balkon einfach raufgehen, und schon gar nicht in so einem schweren Kostüm, weil diese Kostüme sind ja unheimlich schwer, diese Masken sind ja noch viel schwerer.
Jessy: Und sie hat das auch beschrieben, als wäre das ein normaler Mann gewesen, dem einfach das Gesicht gefehlt hat.
Jessy: Also es war nicht irgendwas mit Fell oder so etwas, sondern es war einfach ein Typ ohne Gesicht.
Jessy: Und wir sind dann eben nach diesen zwei Stunden — uns war schon ein bisschen kalt, und wir wollten zurückgehen ins Haus. Ich war auch wieder die erste Person, die das Haus betreten hat, und Melanie war auch die ganze Zeit bei diesem Krampusumzug bei mir.
Florian: Das heißt, sie konnte nicht irgendwie dazwischen nach Hause gegangen sein?
Jessy: Es war aber keiner zu Hause, weil die Eltern waren weg.
Jessy: Also ihre Mutter war definitiv auf Skiurlaub, und sie war mehrere Stunden entfernt.
Jessy: Es gab keine Möglichkeit, dass sie einfach kurz dazwischen ins Haus kommt und in ihrem eigenen Haus herumspukt.
Jessy: Wir waren definitiv allein, und es hat auch keine andere Möglichkeit gegeben.
Jessy: Es hat niemand anderen als die Mutter gegeben, die noch einen Zweitschlüssel gehabt hätte.
Florian: Ihr seid nach Hause gekommen. Was ist passiert?
Jessy: Wir sind nach Hause gekommen und haben die Schuhe ausgezogen und wollten rauf.
Jessy: Also Melanie war die Erste, die in das Zimmer reingelaufen ist oben. Und sie begann zu schreien, und ich habe nicht ganz verstanden, was das Problem ist.
Jessy: Ich habe geglaubt, da geht es jetzt weiter mit ihrer Erschreckungstour.
Jessy: Und ich bin dann kurz nachher im Zimmer eingetroffen, und wir haben uns umgeschaut und haben dann gesehen, dass die Kerzen, die ich ausgeblasen habe — dass alle Kerzen umgeworfen waren und sich dieses ganze Wachs quasi in den Teppichboden reingefressen hat.
Jessy: Und Melanie hat dann angefangen zu schreien und hat mich beschuldigt, dass ich diese Kerzen umgeworfen habe.
Jessy: Was ja auch in dem Moment irgendwie logisch gewesen wäre, weil ich war die Letzte, die den Raum verlassen hat. Und es ist jetzt nicht so eine lange Zeitspanne, wo man diese Kerzen hätte noch umwerfen können und wo sie hätten auslaufen können, weil dieses Wachs verhärtet ja schnell.
Jessy: In dem Moment habe ich Melanie geglaubt, dass ein Mann am Balkon gesessen ist.
Jessy: Weil ich konnte mir nicht erklären, warum diese Kerzen umgeschüttet waren. Also ich war die einzige Person, die da noch oben war.
Jessy: Hätte es eigentlich ich sein müssen? Aber ich habe gewusst, dass ich es nicht getan habe.
Jessy: Ich habe kurz überlegt, ob es ein Einbrecher gewesen hätte sein können. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass es nicht so war.
Jessy: Weil die Balkontür konnte man von außen weder öffnen noch verschließen.
Jessy: Ich kann mich erinnern: Melanie hat zur damaligen Zeit schon geraucht, und sie hat immer mit ihren Fingerspitzen versucht, die Balkontür ganz zuzuziehen, weil sie nicht wollte, dass der Rauch in ihr Zimmer zieht. Ihre Mutter hat natürlich auch nicht gewusst, dass sie raucht. Und man konnte sie weder von außen versperren noch schließen.
Jessy: Sie war definitiv zu, und in dem Moment war mir halt klar, dass das doch irgendwie etwas Übernatürliches gewesen sein müsste.
Jessy: Vor allem ab dem Zeitpunkt haben wir uns beide nicht mehr getraut, in diesen Raum zu gehen.
Jessy: Es hat sich angefühlt, als wäre da jemand drinnen. Also jemand, der uns beobachtet.
Florian: Auch noch, als ihr zurückgekommen seid?
Jessy: Ja, definitiv. Erst so richtig, als wir dann zurückgekommen sind, und es war absolut kein angenehmes Gefühl.
Jessy: Also das war richtig — jedes Mal, wenn ich nur in diesen Stock raufgegangen bin, ist mir ein Schauer über den Rücken gelaufen. Und ich kann mich auch erinnern, dass wir damals bei ihr im Wohnzimmer im Erdgeschoss geschlafen haben, auf dem Sofa. Obwohl die Heizung an war, war es da oben echt sehr kalt.
Jessy: Ich weiß nicht, ob dieses Gefühl alle kennen, aber manchmal hat man so ein Gefühl, dass einen jemand beobachtet, auch wenn es dann teilweise wirklich so ist. Aber man hat richtig seinen kleinen Schauer über den Rücken und fühlt sich einfach beobachtet.
Jessy: Das war irgendwie ein unangenehmes Gefühl dort oben.
Jessy: Also am Anfang war es immer so für mich: Ich wollte auch so ein Zimmer haben wie sie.
Jessy: Ich wollte auch immer meinen eigenen Balkon haben. Es war sehr witchy in ihrem Zimmer, aber auf eine sehr angenehme und gemütliche Art und Weise. Und ich habe mich bei ihr zu Hause immer sehr wohl gefühlt.
Jessy: Und das hat sich ab dem Zeitpunkt eigentlich schlagartig geändert.
Jessy: Und das mit diesen Kerzen — ich kann mir das bis heute nicht erklären, und mir läuft immer noch die Gänsehaut auf, wenn ich nur daran denke.
Jessy: Melanie und ich haben dann beschlossen, im Wohnzimmer zu übernachten, und haben auch eigentlich nicht mehr so wirklich darüber gesprochen.
Jessy: Und mit diesem Abend war irgendwie unsere Freundschaft gefühlt zu Ende.
Jessy: Wir haben uns dann noch ein paar Mal gesehen, aber es war eine relativ große Kälte zwischen uns.
Jessy: Ich glaube, sie glaubt vermutlich bis heute, ich hätte die Kerzen umgestoßen — was ich definitiv nicht gemacht habe, weil ich würde das einer Freundin niemals antun.
Jessy: Auch wenn ich sie reinlegen wollen würde, aber sicherlich nicht mit ausgeschütteten Kerzen am Teppichboden.
Jessy: Ich habe mit Melanie tatsächlich vor ein paar Jahren mal darüber gesprochen.
Jessy: Ich war zu Besuch in Wiener Neustadt und war in der Innenstadt und habe sie am Abend in einer Bar getroffen. Und wir haben kurz darüber gesprochen, so im Scherz. Und sie hat gesagt, dass sie damals sehr viel Ärger bekommen hat, eben wegen diesem Teppichboden, wegen dem Versauten.
Jessy: Weil sie hat sich dann auch nicht mehr richtig in ihr Zimmer getraut und hat dann auch nicht irgendwie wirklich versucht, dieses verklebte Zeug aus ihrem Teppich rauszubekommen.
Jessy: Aber wir sind dann nicht mehr näher darauf eingegangen.
Jessy: Ich habe ihr nur nochmal geschworen, dass ich das nicht gemacht habe.
Jessy: Diese Freundschaft war dann so gut wie zu Ende. Und ein paar Monate drauf habe ich eine neue Freundin kennengelernt.
Jessy: Das war die Uschi. Was mein großes Problem war: Ich hatte schon seit meiner Kindheit immer wieder Schlafparalysen.
Florian: Man geht heute davon aus, dass das eine Störung der REM-Schlafphase ist.
Florian: Das heißt, wenn man es medizinisch betrachtet: Der Körper schläft, aber der Geist ist wach, oder zumindest zum Teil wach, und dadurch verschwimmt ein bisschen Traumwelt mit Realität.
Florian: Und Menschen, die Schlafparalysen haben, bilden sich meistens die erschreckendsten Gestalten ein, verschiedenste.
Florian: Viele bilden sich einen großen Mann ein, der neben ihrem Bett steht, beziehungsweise so ein katzenähnliches Monster, das ihnen auf der Brust sitzt.
Florian: Wir hatten das tatsächlich in unserer allerersten Episode, in einer ganz ausführlichen Fassung.
Florian: Kleiner Aufruf: Wer es noch nicht gehört hat — hier wäre ein guter Zeitpunkt, später nochmal zurückzugehen.
Jessy: Also ich kann mich erinnern: Meine erste Schlafparalyse, an die ich mich erinnern kann — das war tatsächlich noch in meinem Gitterbett.
Florian: Wie alt warst du da?
Jessy: Kann mich nicht erinnern, wie alt ich war.
Jessy: Keine Ahnung, aber noch recht klein.
Jessy: Ich war schon so alt, dass ich wusste, dass ich die Gitterstäbe aufdrehen kann und aus dem Bett rauskomme, ohne drüberzuspringen.
Jessy: Aber wie alt genau ich war, kann ich nicht mehr sagen.
Jessy: Bei mir war die Schlafparalyse so, dass sie eigentlich jeden Montag war.
Florian: Warum immer montags? Warum montags?
Jessy: Ich habe immer montags Schlafparalysen gehabt.
Jessy: Ich weiß bis heute nicht, warum.
Jessy: Also jeden Montag.
Jessy: Das war nach einer Zeit dann schon so intensiv, dass ich jeden Montag diese Schlafparalyse hatte und an den anderen Tagen auch oft, also meistens dann mehrfach die Woche.
Jessy: Und es wurde so intensiv, dass ich meist bis in der Früh, bis die Sonne aufgegangen ist, diese Schlafparalysen gehabt habe, immer wieder.
Jessy: Jedes Mal, wenn ich eingeschlafen bin, bin ich in diese Schlafparalyse gefallen.
Jessy: Es war extrem kräftezehrend.
Jessy: Ich hatte schon wirklich — ich hatte Angst, dass ich irgendwann mal früher oder später eine Psychose bekomme, weil ich halt wirklich kaum noch geschlafen habe.
Jessy: Und wenn, dann war das so furchterregend, dass ich eigentlich schon so eine Angst hatte vor dem Schlafen, dass ich eigentlich gar nicht schlafen wollte — was natürlich auch nicht gesund war.
Jessy: Ja, ich hatte verschiedene Formen der Schlafparalyse.
Jessy: Also wenn man darüber liest im Internet, dann sind es halt trotzdem meistens immer Geschichten, die sich wiederholen bei verschiedenen Menschen. Und das ist kontinentunabhängig, landesunabhängig, sprachunabhängig, geschlechtsunabhängig.
Jessy: Also es gibt so diese Hauptfiguren: Das ist zum Beispiel eben dieser große Mann mit Hut, der meistens am Bettrand irgendwo steht und einen anstarrt, oder eben diese katzenähnliche Figur, dieses Schwere, das auf der Brust sitzt, und dann bekommt man wenig Luft.
Jessy: Und ja, es gibt halt verschiedene Formen. Aber bei mir war es meistens der Mann mit Hut. Aber auch diese katzenähnliche Figur. Und oft war es auch nur akustisch, dass ich Schreie gehört habe in meinem Ohr.
Jessy: Also als würde jemand tatsächlich neben meinem Ohr seinen Mund haben und richtig, richtig laut reinbrüllen.
Jessy: Und irgendwann mal habe ich gelesen, dass wenn man am Bauch schläft, dass man dann keine Schlafparalyse bekommt.
Jessy: Das war quasi so das ausschlaggebende Erlebnis, warum ich mir dann Hilfe gesucht habe, weil meine Schlafparalyse am Bauch eigentlich eine der schlimmsten war überhaupt.
Jessy: Also ich habe mich an diesem Abend ins Bett gelegt und habe mich absichtlich — ich war eigentlich die meiste Zeit Rückenschläferin, weil ich als Teenager irgendwann mal gelesen habe, dass das ungesund ist, wenn man am Bauch schläft, was ich früher gemacht habe.
Jessy: Deswegen habe ich mir wirklich antrainiert, dass ich am Rücken schlafe, weil ich oft Nackenverspannungen gehabt habe und gedacht habe, dass es einfach gesünder ist.
Jessy: Und an dem Abend habe ich mich absichtlich wieder auf den Bauch gelegt und bin quasi wieder so halb eingeschlafen und hatte wieder Schlafparalyse. Und habe mir eingebildet, dass etwas sehr Schweres auf meinem Rücken sitzt und mich ins Bett reindrückt.
Jessy: Und ich habe wirklich bestialische Schreie in meinen Ohren gehört, richtig dämonisch.
Jessy: Es waren keine normalen menschlichen Schreie, sondern für mich war das irgendwie so, wie ich es mir vorgestellt habe, wenn man in die Hölle kommt. Und ich bin ja nicht sonderlich gläubig — also ich glaube jetzt nicht traditionell an den Teufel, an die Hölle oder den Himmel und an alle möglichen Götter.
Jessy: Vor allem zur damaligen Zeit war ich sehr atheistisch eingestellt. Ich habe diese Präsenz gespürt auf meinem Rücken, die mich ins Bett drückt, und kann mich nicht mehr genau erinnern, was diese Stimme —
Jessy: Eine dieser Stimmen hat mir dann quasi ins Ohr reingesagt, so auf die Art, ob ich glaube, dass ich sie austricksen kann. Und irgendwann konnte ich mich halt aus dieser Schlafparalyse reißen.
Jessy: Aber bei mir hat das leider nicht funktioniert wie bei vielen anderen Menschen, dass man sich auf einen Finger zum Beispiel konzentriert und versucht, einen Finger zu bewegen.
Jessy: Also ich konnte mich eigentlich nicht richtig selber befreien.
Jessy: Also als ich dann irgendwie doch wach geworden bin, war ich schon so fertig, dass ich nur noch geheult habe.
Jessy: Ich war den nächsten Tag total verheult und wollte eigentlich nicht mehr in die Schule gehen.
Jessy: Eigentlich habe ich zur damaligen Zeit echt geglaubt, dass ich einfach verrückt geworden bin. Weil ich habe auch einmal mit meinem Hausarzt darüber gesprochen und vorsichtig angedeutet, dass ich halt solche Erlebnisse habe.
Jessy: Und das war ein großer Fehler, weil mein damaliger Hausarzt ein sehr religiöser Mann war.
Jessy: Der hatte sogar Kreuze in seiner Arztpraxis, in jedem Behandlungsraum und im Bad auch.
Jessy: Er hat zu mir gesagt, ich müsse dringend zu Gott finden, und hat mir irgendwie so ein kleines Büchlein überreicht mit Gebeten.
Florian: Das ist nicht unbedingt das, was man dann haben möchte in so einer Situation.
Jessy: Ja. Man will so etwas von seinem Hausarzt nicht bekommen, vor allem nicht als Atheistin.
Jessy: Und in dem Moment habe ich halt einfach wirklich schon geglaubt, dass ich komplett drüber bin.
Jessy: Also dass ich jetzt komplett durchdrehe und irgendwie in der Zwangsjacke landen werde, in einem gepolsterten Raum.
Jessy: Ich habe einen Zusammenhang zwischen diesem Ouija-Brett und dem gesehen.
Jessy: Ich glaube, ich habe mir damals irgendwie so einen Kanal geöffnet, der schon immer ein bisschen offen stand. Aber in dem Moment war es wie eine Drehtür, und alles konnte rein und raus, was wollte. Und ich habe dann echt geglaubt, dass ich besessen bin.
Jessy: Also für mich hat es keine andere Erklärung gegeben, weil — ich habe auch viel mit meinem Umfeld darüber gesprochen. Also jetzt nicht unbedingt mit meiner Mutter und meinem Stiefvater, aber mit Freundinnen damals schon.
Jessy: Und ich bin mir ein bisschen verrückt vorgekommen, weil ich auch niemand anderen gekannt habe, dem das auch passiert ist zur damaligen Zeit.
Jessy: Mittlerweile kenne ich einige Leute, denen das passiert ist.
Jessy: Ja. Jedenfalls habe ich dann einmal mit Uschi auch darüber gesprochen.
Jessy: Und Uschi hat über viele Jahre in Südamerika gelebt und kannte eine Schamanin, und sie hat gemeint, ich soll mal mit ihr darüber sprechen.
Jessy: Aber sie hat gesagt, wenn wir mal mit ihr übers Internet telefonieren beziehungsweise videotelefonieren, dann soll ich ihr nicht sagen, was bei mir los ist, sondern ich soll sie einfach mal sprechen lassen.
Jessy: Also Uschi hat mir damals erzählt, diese Frau heißt Josefina.
Jessy: Und sie hat gemeint, dass Josefina mir wahrscheinlich helfen kann, weil Josefina sich sehr viel mit so dämonischen Mächten auch beschäftigt, mit Astrologie. Sie meinte, dass Josefina einfach eine Hexe ist.
Jessy: Zur damaligen Zeit habe ich angefangen, an Dämonen zu glauben.
Jessy: Also ich wollte immer glauben, dass es so etwas gibt.
Jessy: Also jetzt vielleicht nicht unbedingt Dämonen, aber ich wollte immer glauben, dass es Geister gibt und dass es mehr gibt auf diesem Planeten, als wir sehen können.
Jessy: Ja, ich habe ein bisschen Angst davor gehabt, aber in diesem Augenblick, wo diese Schlafparalysen so intensiv geworden sind, war es für mich klar: Entweder es gibt Dämonen und Geister und alles, was dazugehört, oder ich bin verrückt geworden.
Jessy: Und der Gedanke, dass es das gibt, war mir immer noch lieber als die Tatsache, dass ich vielleicht verrückt geworden bin.
Jessy: Und dann eines Abends hat sich Josefina dann bereit erklärt, mit uns zu videotelefonieren, und wir haben uns hingesetzt, auch am Abend, und haben mit ihr gesprochen.
Jessy: Ich glaube, sie ist aus Peru, wenn ich mich nicht ganz täusche. Ja, aber sicher bin ich mir auch nicht. Ich müsste nochmal nachfragen.
Jessy: Ja, sie war sehr witchy, und sie hat zuvor eigentlich angefangen zu sprechen, ohne dass ich irgendetwas gesagt habe außer Hallo. Weil Uschi hat dann mit ihr geredet, weil ich beherrschte weder Spanisch noch eine andere südamerikanische Sprache, also auch nicht Portugiesisch oder so.
Jessy: Sie hat dann auch angefangen, mit mir auf Englisch zu sprechen, damit ich es auch verstehe. Und sie hat gleich gesagt, sie spürt eine dunkle Präsenz bei mir.
Jessy: Sie hat tatsächlich gesagt, sie spürt eine dunkle Präsenz in meiner Nähe und dass ich von einem dunklen Schatten verfolgt werde.
Jessy: Sie hat mich dann gefragt, ob ich jemals so etwas gemacht hätte wie Geisterbeschwörung, Ouija-Brett und so weiter.
Jessy: Und ich habe in dem Moment natürlich zugeben müssen, dass ich das gemacht habe, und sie hat gesagt, ja, dass das davon kommt.
Jessy: Ich habe auch erzählt, dass ich schon als Kind immer wieder solche Schlafparalysen hatte, aber dass die sich so extrem intensiviert haben.
Jessy: Und sie hat gesagt: Ja, ich habe eine Tür offen gelassen, die ich nicht mehr versperren kann.
Florian: An diesem Punkt ist Jessy überzeugt, dass das, was damals begonnen hat, noch nicht vorbei ist.
Florian: Im zweiten Teil kommt eine weitere Person in die Geschichte. Und ab diesem Moment geht es nicht nur darum, was Jessy selbst erlebt oder wahrgenommen hat.
Florian: Weiter geht es in der nächsten Episode von "Die offene Tür".
Florian: Und wenn ihr selbst einmal etwas erlebt habt, das ihr euch bis heute nicht richtig erklären könnt — egal ob es etwas Großes war oder nur ein kurzer Moment, der euch nie ganz losgelassen hat — dann schreibt mir.
Florian: Im Linktree von 333 findet ihr sowohl meine E-Mail-Adresse als auch ein Formular, über das ihr eure Geschichte schicken könnt.
Florian: Den Link findet ihr in der Episodenbeschreibung und in der Bio des Podcasts.
Florian: Vielleicht hören wir eure Geschichte schon bald hier bei 333.
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